Glossar

Gesamtvariation

Die Gesamtvariation (observed variation) ist eine statistische Grösse für die Unterschiede zwischen den Regionen. Variationen können häufig nicht oder nur zu einem geringen Ausmass erklärt werden durch die Krankheitslast der Patienten, deren Präferenzen oder die Funktionsweise der Versorgung auf Systemebene. Variationen lassen sich zu einem wichtigen Anteil auf Unterschiede in der Ausübung der medizinischen Praxis (medical practice) zurückführen. Diese Art von Variation ist ungerechtfertigt (unwarranted variation) und sollte minimiert werden, indem zum Beispiel die medizinischen Guidelines ausdifferenziert werden. Grosse Variationen können zudem ein Indiz für regionale Unter- und Überversorgung sein.

International Classification of Diseases (ICD)

Systematisches Verzeichnis von Krankheiten, welches zurzeit in der zehnten Version (ICD 10) zur Klassifikation von Diagnosen verwendet wird. Die Klassifikation wird von der WHO herausgegeben. Weitere Informationen

Rate

Die im Schweizer Atlas der Gesundheitsversorgung dargestellten Behandlungsraten beziehen sich auf die Anzahl Eingriffe, die in einem Jahr pro 1000 Einwohner in einer bestimmten Region dokumentiert wurden. Indirekt standardisierte Raten werden verwendet.

Schweizerische Operationsklassifikation (CHOP)

Die schweizerische Operationsklassifikation (CHOP) basiert ursprünglich auf der amerikanischen ICD-9-CM, welche durch das Center for Medicare and Medicaid Services in Baltimore (USA) erstellt wurde. Im Zuge der schweizweiten Einführung der SwissDRG wurde die CHOP von der ICD-9-CM entkoppelt und für die Version 2011 mit über 8000, zum grossen Teil sechsstelligen Kodes, ergänzt. Die CHOP-Kodes bilden die Grundlagen für die Definition der einzelnen Indikatoren, sie werden jeweils neben den Karten aufgelistet.

Small Area Analysis

Die Methode der Small Area Analysis (SAA) ermöglicht es, Einzugsgebiete der Spitäler (auch Spitalregionen genannt) zu bilden. Dabei werden ca. 700 kleine Regionen (sog. MedStat-Regionen, welche im wesentlichen aggregierten Postleitzahl-Sektoren entsprechen)  zu grösseren zusammengefasst, so dass in jeder Region mindestens ein Spital liegt und zugleich die Patienten aus einer Region möglichst häufig in der eigenen Region behandelt werden. Die SAA ermöglicht es, gleichzeitig Angebot und Inanspruchnahme im Gesundheitswesen abzubilden. Je nach Behandlung werden die Regionen grösser oder kleiner, d.h. bei hochspezialisierten Behandlungen überschreitet eine Region häufig die Kantonsgrenzen, während häufige Behandlungen dazu führen, dass in einem Kanton mehrere Regionen entstehen können.

Spitalplanungs-Leistungsgruppen (SPLG)

Die SPLG gruppieren die medizinischen Leistungen zu Leistungsgruppen. Die Leistungsgruppen bilden die Basis für die kantonalen Spitalplanungen. Die Einteilung der medizinischen Leistungen in fachspezifische Gruppen erfolgt anhand des Schweizerischen Operationskatalogs (CHOP) und des internationalen Diagnoseverzeichnisses (ICD). Weitere Informationen

Spitalregionen

Die Spitalregionen bilden die Einzugsgebiete der Spitäler ab. In der Literatur werden diese häufig mit Hospital Service Areas (HSA) bezeichnet, im deutschen Sprachgebrauch wird der Begriff Spitaleinzugsgebiete oder einfach Spitalregion verwendet. Näheres finden Sie unter der Rubrik „Methoden“.

Standardisierte Rate

Die Standardisierung der Raten ermöglicht einen Vergleich zwischen den Regionen, ohne dass die abgebildeten Raten von demografischen Unterschieden zwischen den Regionen beeinflusst werden. Hierfür werden die Raten alters- und geschlechtsstandardisiert, d.h. Regionen werden je nach demografischen Voraussetzungen ‚korrigiert‘. Im Schweizer Atlas der Gesundheitsversorgung wird die Methode der indirekten Standardisierung verwendet.  

Systematische Komponente der Variation (SCV)

Die Variation ausgedrückt als SCV (systematic component of variation) zeigt auf, wie gross die Variation ist, wenn zufällige Abweichungen (aufgrund der kleinen Population, der kleinen Fallzahlen oder von einzelnen Ausreissern) wegfallen. Sie berücksichtigt die demografische Struktur einer Bevölkerung und ist nicht anfällig auf kleine Fallzahlen. Die SCV ist immer kleiner als die Gesamtvariation. 

Je grösser der Anteil der SCV an der Gesamtvariation ist, umso besser kann die Gesamtvariation durch die strukturellen Gegebenheiten erklärt werden (und der Anteil an ungerechtfertigter Variation ist entsprechend geringer).

Eine SCV von über 10 bedeutet, dass zwischen den Regionen sehr grosse Unterschiede bestehen (McPherson 1982, s. Methoden). Worauf diese Unterschiede zurückzuführen sind, kann nicht allgemein beantwortet werden. Die SCV zeigt jedoch auf, wo ein Erklärungsbedarf vorliegt und entsprechend vertiefte Analysen vorgenommen werden sollten.